Der Kilometer-Klau bei Gebrauchtwagen

Rund 3,000 € Schaden entstehen im Durchschnitt, durch das illegale zurücksetzen des Kilometerstandes bei Gebrauchtwagen. Das ist eine Menge Geld. Nicht länger als 30 Sekunden brauch ein versierter Händler, Mechaniker oder Mechatroniker bei modernen Autos, um den Betrug zu begehen. Ein stecker wird eingesteckt, ein kleiner Computer angeschlossen, schon kann der gewünschte Kilometerstand eingestellt werden. Noch einfacher funktioniert das bei alten Fahrzeugen, deren Kilometerzähler mechanisch funktioniert. Hier muß der Betrüger nur an einer Schraube drehen. Laut Schätzungen der Polizei werden jährlich etwa 2 Millionen Fahrzeuge so manipuliert werden. Das entspricht einem Schaden von rund 6 Milliarden Euro. Im Internet wird die illegale, jedoch kaum mit drastischen Strafen belegte “Dienstleistung”, also die Manipulation des KFZ Tachometers, schon für 50 € und weniger angeboten. Kein Wunder, daß das Geschäft brummt. ADAC, Verbraucherverbände und Polizei fordern bessere Elektronik, die Manipulation erschwert oder verhindert, sowie ein Verschärfen der Gesetzt gegen Tacho-Manipulation – bisher ohne Erfolg.

Tacho eines Golf 3 (Photo: Stefan Kühn, veröffentlicht unter GNU-FDL)

Nur wenige Euro Mehrkosten pro Neuwagen würde es bedeuten, eine effiziente Schutz-Elektronik zu integrieren, die den Betrug beim Verkauf des PKW oder LKW im Nachhinein deutlich erschweren oder verhindern könnte. Milliarden Schäden, die vor allem den Käufern von Gebrauchtwagen, also einer ohnehin weniger Kaufkräftigen Zielgruppe entstehen, könnten so leicht verhindert werden. Einen ähnlichen Erfolg wie der, der elektronischen Wegfahrsperre versprechen sich manche gar. Ein Jahr beträgt derzeit die Höchststrafe für Manipulationen am Tacho. Viel zu wenig sei das, so der Konsens in der Branche. Mindestens fünf Jahre müssten es sein, eher mehr, um diese sicherheitsrelevante Manipulation ihrer großen Beliebtheit und verbreitung zu berauben. Mehrere Tausend Euro Gewinn in wenigen Sekunden sind angesichts des geringen Risikos und der geringen, zumeist zur Bewährung ausgesetzten, Strafe einfach zu verlockend.

Eine Razzia in München förderte unlägst zu Tage, was eigentlich allen klar war. Kriminelle manipulieren Autos im großen Stil. Ein Autohändler in U-Haft, 29 Mechaniker und 60 Händler haben nun Verfahren anhängig. Bleibt nur zu hoffen, daß Politik & Behörden zukünftig härter durchgreifen.

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